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Es lebe der Großstadtdschungel

Fotos: Vera Enzi/Verband für Bauwerksbegrünung Österreich

Die Bezeichnung Großstadtdschungel bekommt endlich eine neue Bedeutung. Denn das Bedürfnis der Städter nach Natur ist fundamental und stark im Wachsen. Es ist viel mehr als eine Modeerscheinung, eher eine grundlegende Notwendigkeit. Nun scheint die Zeit reif, Technik und Natur harmonisch zusammenwachsen zu lassen. Botaniker, Gärtner, Bauingenieure, Architekten, aber auch Privatpersonen sind gefragt, vorhandene Ressourcen so zu kombinieren, dass sie sich perfekt ergänzen. In Zeiten des Klimawandels ist der Zeitgeist geprägt von Urban Gardening, Nachbarschaftsgärten, grünen Innenhöfen, Dachterrassen und begrünten Hausfassaden – sie alle tragen zu einer besseren Lebensqualität in der Stadt bei. Sie sorgen nicht nur für das seelische Wohl des Menschen.

Es liegt in der Natur der Sache, dass Pflanzen bei Hitze ein angenehmeres Klima sowie Schatten erzeugen. Im Winter kann eine Fassadenbegrünung Kälte dämmen und Feinstaub reduzieren, während Gründächer als natürlicher Hochwasser schutz dienen. Wer glaubt, dass ihn der öffentliche Raum nichts angeht oder man sowieso nichts verändern kann, täuscht sich. Möglichkeiten gibt es viele!

Dachgärten und Fassadenflächen

Ob Dächer in Dachgärten verwandelt werden oder tausende Quadratmeter Fassadenflächen erblühen – der dreidimensionale Raum ist es, der heutzutage neue Grünflächen in einer dicht besiedelten Stadt ermöglicht. Dabei ist die Idee von Bauwerksbegrünung uralt. Die berühmten „hängenden Gärten von Babylon“ wurden schon 5000 vor Christus errichtet. Die ersten Aufzeichnungen über Bauwerksbegrünung in der Neuzeit beruhen auf einer Patentanmeldung 1938. Erst 2003 griff der Botaniker Patrick Blanc das Konzept auf und modernisierte es. Seine „Pflanzenwände“ in Paris sind wildwuchernde Schönheiten mit weltweiter Bekanntheit geworden. Dieser globale Erfolg kommt nicht von ungefähr, zeigt er doch auf, wie groß das Bedürfnis der Städter nach grünen Stadtlandschaften ist.

Wuchernde Idee: Baum & Haus

Auch Österreich hat punkto Bauwerksbegrünung wichtige Beiträge geleistet. Ganz vorne dabei ist Friedensreich Hundertwasser (1928 – 2000). Der von ihm gestaltete, begrünte, bunte Gemeindebau sowie das Kunsthaus Wien im dritten Wiener Gemeindebezirk sind das Paradebeispiel schlechthin für gelebtes, harmonisches, individuelles Stadtleben. Der Künstler war schon zu seiner Zeit ein Verfechter einer natur- und menschengerechten Architektur mit Pflanzen und Bäumen im, am und um das Haus.

Seine Vision, Menschen den Kontakt zur Natur im Wechsel der Jahreszeiten auch mitten in der Stadt zu ermöglichen, wird nach und nach immer mehr zu Realität. Obwohl Wien mit mehr als 50 Prozent Grünflächen zu den grünsten Millionenstädten der Welt gehört, hat sich auch punkto Bauwerksbegrünung in den letzten Jahren sehr viel getan. Ob innen oder außen – Hotels, Edelboutiquen, moderne Bürogebäude sowie Amtsgebäude der Stadt Wien, alle haben natürlich schöne Pflanzenwände für sich entdeckt.

Bauwerksbegrünung in Wien

Die Bauwerksbegrünung ist jedoch nicht nur etwas für große Unternehmen oder Bauprojekte. Jeder Stadtbewohner kann etwas für seinen „Großstadtdschungel“ tun. Die Wiener Umweltschutzabteilung MA 22 bemüht sich bereits seit mehreren Jahren, das Thema verstärkt ins Bewusstsein der Bürger zu rücken und macht Budgets für Förderungen locker. Die Errichtung einer Bauwerksbegrünung wird für private Bereiche z.B. mit 2.200 Euro unterstützt. Für Unternehmen gibt es geförderte Beratungsleistungen im Rahmen von Ökobusiness Wien.

„Die einfachste und günstigste Variante ist eine intakte Feuermauer in einem Innenhof und ein Efeu im Topf“, schildert DI Jürgen Preiss von der Wiener Umweltschutzabteilung. Jedoch so einfach ist es dann leider meist doch nicht. Wenn die Mauer zum Nachbargebäude gehört, ist eine Zustimmung aller Mieter des Hauses notwendig. Die Übereinstimmung aller ist sowieso bei jedem Unterfangen wichtig – was vielleicht auch eine neue soziale Komponente mit sich bringt, da die Menschen miteinander über ein gemeinsames Projekt reden müssen.

Pflanzendesign am Werk

Zudem ist natürlich auch botanisches Fachwissen gefragt. „Je nach Breiten- und Höhenverhältnis, Mauerlage, Innenhof, Außenwände oder Sonnenexposition können die klimatischen Verhältnisse sehr unterschiedlich sein und für bestimmte Kletterpflanzen nicht passen“, so Jürgen Preiss. Generell wird sowieso eine professionelle Beratung empfohlen, da die Pflanzen auch Schäden an der Mauer anrichten können. Die gute alte Ziegelmauer eignet sich zum Beispiel am besten für eine Fassadenbegrünung. Moderne Wärmeverbundsysteme sind hingegen mit selbstklimmenden Kletterpflanzen nicht begrünbar.

Es ist auch wichtig zu wissen, welche Pflanze wo und mit welchem System am besten wächst. Außerdem erfährt man, welche Vorrichtungen man einsetzen kann, damit z.B. der Efeu nicht zum Nachbarn wächst und vielleicht dessen Mauer beschädigt.“ Daher Vorsicht: Alles, was den eigenen Grund verlässt, braucht die Zustimmung vom Nachbarn – am besten schriftlich.

Die Erstinformation gibt es kostenlos bei der Umweltberatung bzw. bei der Stadtgebieterneuerung. Außerdem hat die Umweltschutzabteilung MA 22 einen äußerst umfangreichen Leitfaden-Katalog zusammengestellt, der sehr viele Fragen schon abdeckt. Eine neue Version ist gerade in Arbeit und erscheint im Mai dieses Jahres (PDF-Download: siehe Infokasten)

Das weite Feld der 3. Dimension

Sämtliche in Wien bestehende Dächer, allen voran Flach- und Kieseldächer, sind spätestens, wenn sie renoviert werden müssen, die besten Kandidaten für eine zukünftige Dachbegrünung. „Dachgärten sind ideal, weil dort Intensivbegrünung möglich und meist gute Bewässerungsmöglichkeiten gegeben sind. Allein diese Begrünungen bewirken schon, dass die gefühlten Temperaturen ein bisschen reduziert sind“, weist Jürgen Preiss auf den Klimawandel hin.

„Wenn aufgrund der steigenden Hitze in der Stadt immer mehr Klimaanlagen in Betrieb gehen, ist das nicht nur wegen des steigenden Stromverbrauchs kontraproduktiv, sondern weil die von der Klimaanlage ausgestoßene heiße Luft meist in einen kleinen Innenhof hinausgeht und dieser dann noch mehr erhitzt wird – im schlechtesten Fall um bis zu fünf Grad! Das ist eine Zumutung für alle anderen Nachbarn.“

Neben den bekannten Vorzügen, wie Feinstaubfilterung, Kühlfunktion im Sommer, Wärmedämmung im Winter sowie CO2-Bindung samt Sauerstoffproduktion und ihrem Beitrag zur Biodiversität, können Gründächer auch für den Hochwasserschutz in stark versiegelten Gebieten eingesetzt werden. Denn sie speichern das Wasser bei Starkregen und geben dieses in geringerer Menge und erst verzögert wieder an die Umwelt ab.

Zudem lassen sich Dachbegrünungen mit Photovoltaik-Anlagen wunderbar kombinieren – auch dafür gibt es spezielle Förderungen seitens der Stadt. „Es gibt ca. 5.600 Hektar Dächer in Wien“, meint Jürgen Preiss abschließend. „Von denen ist mindestens die Hälfte begrünbar. Das ist ein gutes Achtel der gesamten Stadtfläche. Die Dächer sind nicht nur nützlich, es ist zudem widersinnig, das Sternenfirmament mit Dachziegeln zu verbauen.“

 

WEGE ZUM GROSSSTADTDSCHUNGEL

Kostenlose Informationen und Erstberatung: umweltberatung.at

Technische Beratung und Gebäudecheck Verband für Bauwerksbegrünung „Grün statt Grau“:
gruendach.at

Förderungen für Photovoltaik-Anlagen: MA 20 Energieplanung Info und Antrag:
wien.gv.at/amtshelfer/bauen-wohnen/energie

Infokatalog: Ein umfangreicher Leitfaden bietet Architekten, Bauträgern, öffentlichen Institutionen und Privatpersonen ausführliche Fachinformationen und dient als Entscheidungshilfe bei der Auswahl der richtigen Begrünungsart von vertikalen Flächen.
PDF-Download: wien.gv.at/umweltschutz/raum/fassadenbegruenung.html

Magazin Zoë 07/17

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    1. Hundertwasser in Wien

Auch Österreich hat punkto Bauwerksbegrünung wichtige Beiträge geleistet. Ganz vorne dabei ist Friedensreich Hundertwasser (1928 – 2000). Der von ihm gestaltete, begrünte, bunte Gemeindebau sowie das Kunsthaus Wien im dritten Wiener Gemeindebezirk sind das Paradebeispiel schlechthin für gelebtes, harmonisches, individuelles Stadtleben. Der Künstler war schon zu seiner Zeit ein Verfechter einer natur- und menschengerechten Architektur mit Pflanzen und Bäumen im, am und um das Haus. Seine Vision, Menschen den Kontakt zur Natur im Wechsel der Jahreszeiten auch mitten in der Stadt zu ermöglichen, wird nach und nach immer mehr zu Realität.

    2. Grüne Wände in Wien

Ob innen oder außen – Hotels, Edelboutiquen, moderne Bürogebäude sowie Amtsgebäude der Stadt Wien, alle haben natürlich schöne Pflanzenwände für sich entdeckt. Die Bauwerksbegrünung ist jedoch nicht nur etwas für große Unternehmen oder Bauprojekte. Jeder Stadtbewohner kann etwas für seinen „Großstadtdschungel“ tun. Die Wiener Umweltschutzabteilung MA 22 bemüht sich bereits seit mehreren Jahren, das Thema verstärkt ins Bewusstsein der Bürger zu rücken und macht Budgets für Förderungen locker. Die Errichtung einer Bauwerksbegrünung wird für private Bereiche z.B. mit 2.200 Euro unterstützt. Für Unternehmen gibt es geförderte Beratungsleistungen im Rahmen von Ökobusiness Wien.

    3. Vertikale Gärten von Patrick Blanc

Ob Dächer in Dachgärten verwandelt werden oder tausende Quadratmeter Fassadenflächen erblühen – der dreidimensionale Raum ist es, der heutzutage neue Grünflächen in einer dicht besiedelten Stadt ermöglicht. Dabei ist die Idee von Bauwerksbegrünung uralt. Die berühmten „hängenden Gärten von Babylon“ wurden schon 5000 vor Christus errichtet. Die ersten Aufzeichnungen über Bauwerksbegrünung in der Neuzeit beruhen auf einer Patentanmeldung 1938. Erst 2003 griff der Botaniker Patrick Blanc das Konzept auf und modernisierte es. Seine „Pflanzenwände“ in Paris sind wildwuchernde Schönheiten mit weltweiter Bekanntheit geworden. Dieser globale Erfolg kommt nicht von ungefähr, zeigt er doch auf, wie groß das Bedürfnis der Städter nach grünen Stadtlandschaften ist.

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