Lebenskunst: Dr. Georg Fraberger

Lebenskunst: Dr. Georg Fraberger
Zoë 08/2017

 

Lebenskunst: Dr. Georg Fraberger

 

Glück beginnt im Kopf

 

Schön, reich und gesund – sind das die Zutaten für ein gutes Leben? Viele Menschen glauben, ein gutes Leben hängt von Reichtum, Status oder makelloser Schönheit ab. Stimmt nicht, erklärt der Psychologe Dr. Georg Fraberger und führt als anerkannter Psychologe, glücklich verheiratet und Vater von vier Kindern ein erfülltes Leben, von dem viele träumen. Allerdings in einem Körper, den kaum jemand mit ihm tauschen würde. Als gutes Leben gilt, anerkannt und akzeptiert zu werden. Dies kann dadurch erreicht werden, indem man jeder Bewegung, jedem Verhalten, jeder Handlung, Arbeit und Liebe seine Individualität, seine Eigenheit verleiht. Denn das Glück beginnt im Denken. Damit ist nicht „schön denken“ gemeint. Es muss empfunden werden und dafür gilt es in erster Linie, sich – unter allen Umständen – selbst zu lieben und zu akzeptieren.

Nicht Reichtum, Status oder Makellosigkeit machen einen Menschen aus, sondern etwas viel Bedeutsameres, das in jedem von uns wohnt und das sich lohnt, entdeckt und gehört zu werden. Denn jeder von uns hat es verdient – ein gutes Leben. Liebe, Zuneigung, Freunde, Beschäftigung, Glaube, Sinn und Inhalt sind die Zutaten dafür – im Detail definieren muss diese jeder für sich selbst.

Einer, der das ziemlich genau weiß und umsetzt, ist Dr. Georg Fraberger. Er kam 1973 ohne Gliedmaßen zur Welt und hat aber gelernt, damit mehr als gut zu leben und sich selbst zu akzeptieren, wie er ist. Neben seiner Funktion als Psychologe im AKH, wo Fraberger Menschen inspiriert und motiviert, das Leben mit all seinen Facetten zu nehmen und zu lieben, schrieb er zwei Bücher, in denen er sich stets mit seinen beiden Lebensfragen beschäftigt: Was macht den Menschen aus? Und welchen Körper braucht er dazu?

 

Von allein geht es nicht

Alles beginnt mit dem Prozess des freien Denkens. Jede Handlung beginnt im Kopf. Ein Mensch fühlt sich dann wohl, wenn er ausgeglichen ist. Damit das erfolgreich gelingt, müssen Gefühl und Verstand lernen, eine Einheit zu bilden. Die Seele fordert, dass wir zeigen, wer wir sind, und dafür Liebe und Anerkennung erhalten (nicht von jedem, aber von den wichtigen Menschen).

Den Begriff Seele versteht Fraberger aber nicht in einem religiösen Zusammenhang. Seele ist alles das, was den Menschen im Grunde seines Herzens ausmacht – etwas Nicht-Stoffliches, das Bewusstsein. Die Seele dient jedem Menschen als Energiequelle, als Motivation, denn jeder Gedanke löst ein Gefühl aus. Als gutes Leben gilt, anerkannt und akzeptiert zu werden. Dies kann dadurch erreicht werden, indem man jeder Bewegung, jedem Verhalten, jeder Handlung, Arbeit und Liebe seine Individualität, seine Eigenheit verleiht. Dass dies manchmal durchaus auf Widerstand bei anderen stoßen kann, gehört dazu. Fraberger nimmt sich die gängigsten Inhalte für ein gutes Leben vor: Gesundheit, Selbständigkeit, Intimität, Sex Arbeit, Intelligenz, Geld, Schönheit oder auch Glaube. Letztlich sind alle nicht unbedingt notwendig für ein gutes Leben. Worauf es ankommt, ist nicht sichtbar. Es kommt von weiter innen. Fraberger bietet sogar eine Formel für Glück an. Glück ist Empathie x Selbstwert x Scheitern. Das Glück steht und fällt aber mit dem schwächsten Glied. Ist einer der Werte null, gelingt gar nichts.

 

Was macht glücklich?

Gesundheit wird oft als wichtigster Faktor für ein glückliches Leben genannt. Für Fraberger ist Gesundheit für ein erfülltes Leben sehr wohl ausschlaggebend, aber z.B. Schmerzfreiheit ist wichtiger. Dies zeigt sich bei chronisch kranken Menschen, denen Schmerzfreiheit genügt, um hohe Lebensqualität zu erreichen. Oder das Problem mit der Schönheit. Sie kann zwar den Selbstwert kurzfristig heben, da dadurch ein höherer sozialer Marktwert erreicht wird. Ein schlanker weiblicher oder ein starker männlicher Körper stehen einem guten Leben sicher nicht im Weg, sind aber nicht zwingend nötig. Gerade Models oder hübsche Menschen leiden oftmals an psychischen Störungen oder wählen sogar den Freitod, weil sie nur als hübsch gesehen werden. Ihre inneren Wünsche und Ideen nimmt keiner wahr. Wichtig ist, sich selbst zu erkennen, sich zu akzeptieren (man muss sich nicht hübsch finden, in Ordnung reicht schon) und sich anderen Menschen so zu zeigen, wie man ist.

Aber woher kommt die Kraft, sich zu freuen, zu leben, auf andere Menschen zuzugehen? Fraberger: „Diese Kraft hängt mit dem Bild zusammen, das ich mir von mir selber mache.” Der Gedanke „Ich bin so hässlich oder blöd” verhindert jegliche Motivation. So wird man des Lebens müde und gelangweilt. Das Leben plätschert dahin. „Will ich meine Grundbedürfnisse decken, brauche ich Energie. Energie, um zu zeigen, wer ich bin, jenseits meiner Mängel. Energie, die zeigt, dass ich Interesse habe, diese Person kennenzulernen. Aber auch den Mut, dabei zu scheitern”, so der Psychologe.

Ein gutes Leben setzt voraus, seinen Körper, Verstand und seine Gefühle kennen und kontrollieren zu können. Kontrolle ist nur möglich, wenn man sich selbst kennt, so wie man ist, selbst wenn Körper und Verstand nachlassen. Wenn man trotzdem gemocht wird für das, was einen ausmacht, seine Seele. Und dieses Kennenlernen von sich selbst erfolgt durch Beziehungen. Erst in der Beziehung zu anderen Menschen wird sichtbar, wer man selbst ist – unabhängig von Geld, Macht und oberflächlicher Schönheit.

 

Biografie

Georg Fraberger kam 1973 in Wien ohne Gliedmaßen zur Welt. Nach seinem Studium der Psychologie an der Uni Wien arbeitete er ein Jahr als Assistent in einer neurologischen
Abteilung in Somerset/England. Seit 2002 ist er klinischer Psychologe an der Wiener Uniklinik für Orthopädie und führt zugleich auch eine eigene Praxis als Psychologe.

Nach seinem Erstlingswerk „Ohne Leib, mit Seele” präsentierte er in seinem zweiten Buch „Ein ziemlich gutes Leben“, wie es jedem Menschen – trotz widrigster Umstände – gelingen kann, ein gutes Leben zu führen.

      

Beide Bücher sind im Ecowin Verlag erhältlich.
Link und Infos: ecowin.at/autoren/georg-fraberger/

 

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