Früher wurde gegoogelt, heute fragt man die KI. Die Menschen von heute wollen keine reinen Informationen mehr. Sie wollen verständliche Antworten, Zusammenhänge und möglichst individuelle Unterstützung. Genau das macht künstliche Intelligenz so erfolgreich. Wer sich in der neuen Beziehung von Mensch und Maschine nicht in ihr verliert, kann enorm profitieren.

Wer eine Suchmaschine fragt, erhält eine Liste mit Webseiten, Produkten oder Unternehmen. Wer heute eine KI fragt, bekommt eine fertige Antwort oder sogar ein ganzes Konzept oder Bilder. Oft wirkt sie erstaunlich persönlich, fast wie ein Gespräch. Doch genau darin liegt der entscheidende Unterschied.

Eine Suchmaschine weiß vergleichsweise wenig über eine Person. Eine moderne KI kann sich hingegen an frühere Gespräche erinnern, Interessen erkennen und Antworten immer stärker auf die einzelne Person zuschneiden. Sie weiß vielleicht, welche Themen uns beschäftigen, welche Projekte wir verfolgen, welche Ziele wir haben oder welche Fragen wir bereits gestellt haben. Das macht die Kommunikation angenehmer und oft auch hilfreicher. Niemand muss immer wieder dieselben Informationen erklären. Die KI kennt den Kontext und kann darauf aufbauen.

Beziehung zwischen Mensch & Maschine 

Gleichzeitig entsteht dadurch eine neue Form der Beziehung zwischen Mensch und Maschine. Denn wenn eine KI unsere Interessen kennt, auf unsere Stimmungen eingehten kann, nicht beleidig und auch jederzeit verfügbar ist, beginnt sie sich anders anzufühlen als eine Suchmaschine. Persönlicher. Direkter. Manchmal sogar verständnisvoller.

Bereits jetzt gibt es Menschen, die die KI echten Arbeitskolleg:innen vorziehen. Wie sieht dies im Privatbereich aus? Versteht sie uns wirklich? Ja und nein. Künstliche Intelligenz kann Muster erkennen. Sie kann analysieren, welche Formulierungen wir verwenden, welche Themen uns beschäftigen und welche Antworten wir bevorzugen. Sie kann sogar erstaunlich gut nachvollziehen, wie sich Menschen in bestimmten Situationen fühlen. Was sie nicht kann, ist selbst fühlen und kann dadurch keine Schlüsse aus Emotionen ziehen.

Sie kennt keine Freude über ein Wiedersehen, keine Enttäuschung nach einem Streit, keine Nervosität vor einer wichtigen Entscheidung und keine Liebe zu einem anderen Menschen. Sie kennt diese Erfahrungen nur aus den unzähligen Texten, mit denen sie trainiert wurde. Vielleicht liegt genau darin die größte Stärke, aber auch die größte Gefahr der künstlichen Intelligenz.

Sie kann uns unterstützen, inspirieren und entlasten. Sie kann ein hilfreicher Assistent sein, ein kreativer Sparringspartner oder ein geduldiger Gesprächspartner für Gedanken und Ideen. Doch je natürlicher die Kommunikation wird, desto leichter vergessen wir, dass auf der anderen Seite kein Mensch sitzt.

Von Mensch zu Mensch

Echte Beziehungen funktionieren anders. Sie sind nicht perfekt. Menschen widersprechen, überraschen, nerven und begeistern und können sich reiben. Sie bringen Erfahrungen, Gefühle und Perspektiven mit, die keine Maschine nachbilden kann. Gerade diese Unterschiedlichkeit macht Begegnungen wertvoll. Künstliche Intelligenz ist nicht gut oder schlecht. Entscheidend ist, welchen Platz wir ihr in unserem Leben geben. Als Werkzeug kann sie enorm bereichern und hilfreich sein. Als Ersatz für menschliche Nähe wird sie jedoch nie das bieten können, wonach sich viele Menschen eigentlich sehnen: echte Verbundenheit.

Wie beeinflussbar wird der Mensch?

Schon mit Google und Sozialen Medien war die Beeinflussbarkeit ein Thema. Auch wenn die KI noch in den Kinderschuhen steckt, es ist nur eine Frage der Zeit, dass Unternehmen oder mittlerweile auch Politiker:innen sich die KI-Antworten erkaufen werden. Daher: Je mehr eine KI über einen Menschen weiß, desto wichtiger wird eine andere Frage: Wer beeinflusst ihre Antworten? Bei Suchmaschinen haben wir uns daran gewöhnt, dass Werbung und gesponserte Inhalte Teil der Ergebnisse sind. Oft erkennen wir auf den ersten Blick, welche Links bezahlt wurden und welche nicht.

Bei künstlicher Intelligenz könnte diese Grenze künftig weniger sichtbar werden. Wenn wir eine KI nach einem Hotel, einem Fahrrad, einer Versicherung oder einem Nahrungsergänzungsmittel fragen, erwarten wir eine möglichst objektive Empfehlung. Doch was passiert, wenn Unternehmen dafür bezahlen, bevorzugt genannt zu werden? Oder wenn die KI ihre Empfehlungen auf Basis unserer bisherigen Gespräche immer stärker personalisiert?

Einerseits kann das hilfreich sein. Wer die eigenen Interessen kennt, kann oft passendere Vorschläge machen. Andererseits entsteht die Gefahr, dass kommerzielle Interessen immer schwerer von unabhängigen Empfehlungen zu unterscheiden sind. Je persönlicher künstliche Intelligenz wird, desto wichtiger werden Transparenz und Medienkompetenz. Nicht jede Empfehlung muss automatisch die beste Empfehlung sein.

Zoës Fazit

Künstliche Intelligenz wird immer persönlicher werden. Wahrscheinlich persönlicher, als wir es uns heute vorstellen können. Umso wichtiger wird die Frage, wie wir mit dieser Entwicklung umgehen. Vielleicht wird die wichtigste Kompetenz der Zukunft nicht darin bestehen trotz aller digitalen Möglichkeiten echte Beziehungen zu pflegen, unterschiedliche Meinungen auszuhalten und neugierig auf andere Menschen zu bleiben. Denn eine KI kann vieles über uns wissen. Wirklich nachmachen kann sie uns trotzdem nicht.

 

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