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Mobilität im Wandel

Fortbewegung & Mobilität im Wandel

  • Der Kraftfahrzeugbestand hat sich weltweit in den letzten 50 Jahren verzehnfacht. Über eine Milliarde Fahrzeuge tummeln sich heute weltweit auf den Straßen. Das Auto ist Statussymbol, Ausdruck für Freiheit und individuelle Mobilität. Andererseits prägen Ressourcenknappheit, Energieeffizienz und nachhaltiges Handeln immer mehr unser bisheriges Verständnis von Mobilität. Die Mobilität ist im Wandel. Das Umdenken bringt uns in ein neues, multimobiles Zeitalter.

    Neben dem eigenen Auto wächst der Anteil an Fahrradfahrern und Benutzern von Öffis, aber auch immer mehr Menschen ziehen Zufußgehen, Car-Sharing, E-Bikes oder andere Alternativen dem Auto vor. Denn es geht in Zukunft darum, die Mobilitätsanforderungen und -wünsche auch ökonomisch, bequem und nachhaltig umzusetzen.

    Individuelle Fortbewegung

    Zufußgehen war für Menschen jahrhundertelang die natürlichste Sache der Welt. Aber vor rund 120 Jahren veränderten zuerst das Fahrrad und dann vor allem das Auto unsere individuelle Fortbewegung. Durch diese Mobilisierungswelle nahmen die Fußwege der Menschen rapide ab. Alles Denken und Planen richtete sich zunehmend auf den Autoverkehr aus. In den 50er- und 60er-Jahre wurde dem Auto alles untergeordnet: Ökonomie, Wohlstand und letztlich das ganze Leben. Dennoch sind seither Schlagworte wie individuelle Mobilität, Freiheit und auch Wohlstand eng mit dem eigenen Auto verknüpft. Rund drei Viertel unserer Mobilitätsleistungen gehen heute auf das Auto zurück – mit allen Vor- und Nachteilen.

    Gleichzeitig verändern Ressourcenknappheit, Energieeffizienz und nachhaltiges Handeln unser bisheriges Verständnis von Mobilität. Immer mehr schlägt das Pendel in Richtung Ökonomiebewusstsein, Bequemlichkeit und vor allem Nachhaltigkeit aus. Denn gerade der Autoverkehr ist (nicht nur) Österreichs größtes Problem beim Umwelt- und Klimaschutz. Auch die wirtschaftliche Abhängigkeit des Verkehrs vom begrenzt zur Verfügung stehenden Erdöl ist problematisch. Die derzeitige Mobilität ist zu stark vom Auto abhängig.

    Autos veränderten unser Wertesystem

    „Das Problem ist viel größer: Das Auto ist tief in die Stammhirne der Menschen hineingeschlüpft und verändert von innen her unser ganzes Wertesystem, die Kultur und die Zivilisation“, warnt etwa Prof. Dr. Hermann Knoflacher, Verkehrsexperte und Planer an der TU Wien. „Wir leben heute in einer Welt der Autos. Aber wenn eine Welt der Autos aus den Köpfen kommt, muss das Auto im Kopf sein. Das war meine Entdeckung in den 70er-Jahren. Die ganze Stadtplanung, die ganze Gesellschaft wurde auf das Auto ausgerichtet.“

    Mittlerweile hat sich das teilweise geändert. Wenn man sich den aktuellen Modalsplit – die Aufschlüsselung der gewählten Verkehrsmittel – ansieht, so lag in Wien der Anteil an Autofahrer am Gesamtverkehr im Jahr 1993 bei 40 Prozent, im vergangenen Jahr aber nur mehr bei 27 Prozent. Die Gewinner sind die öffentlichen Verkehrsmittel und der Radverkehr. Hermann Knoflacher: „Es hat schon ein erstes Umdenken stattgefunden. Geändert wurden die Strukturen in der Stadt: Reduktion der Parkplätze, keine freie Fahrt neben der Straßenbahn, Vorziehen der Gehsteige.“

    Letztlich wird aber die Verkehrswelt einfach bunter, die meisten Menschen sind heute multimodal, also mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Zwar setzen immer noch 80 Prozent der Bevölkerung Österreichs zumindest ab und zu auf das Auto, zwei Drittel fahren aber auch Rad und sechs von zehn Personen nutzen den öffentlichen Verkehr. Vor allem junge Menschen sind in ihrer Verkehrsmittelwahl sehr flexibel, mehr als die Hälfte der bis 30-Jährigen kann sich Letztlich wird aber die Verkehrswelt einfach bunter, die meisten Menschen sind heute multimodal, also mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln unterwegs.

    80 Prozent setzen auf das Auto

    Zwar setzen immer noch 80 Prozent der Bevölkerung Österreichs zumindest ab und zu auf das Auto, zwei Drittel fahren aber auch Rad und sechs von zehn ­Personen nutzen den öffentlichen Verkehr. Vor allem junge Menschen sind in ihrer Verkehrsmittelwahl sehr flexibel, mehr als die Hälfte der bis 30-Jährigen kann sich gemeinsames Nutzen statt einzeln Besitzen vorstellen. Car-Sharing-Modelle sind vor allem in Wien ein Thema, wirkliches Auto-Teilen wird eher in ländlichen Gebieten angenommen. Abseits der Großstadt gilt es aber das Mobilitätsangebot deutlich auszuweiten, um die Wahlfreiheit in der Mobilität auch hier zu erhöhen oder überhaupt zu ermöglichen.

    Der flexible Mix verschiedener Mobilitätsformen ist in Wien bereits gelebte Realität. Wichtigster Baustein ist dabei ein gut funktionierendes öffentliches Netz. „Darauf ist man in Wien zu Recht stolz“, erklärt Daniel Amann, Pressesprecher der Wiener Linien: „Die Öffis haben in den letzten Jahren gerade in Wien extrem zugelegt. Stolze 39 Prozent der Wege in Wien werden mit Öffis zurückgelegt, über 680.000 Personen besitzen eine Jahreskarte der Wiener Linien. Das ist auch im Vergleich mit anderen Großstädten eine Spitzenposition.“ Immer mehr Menschen verzichten dabei auf ein eigenes Auto – in Wien sind dies immerhin schon rund 40 Prozent der Haushalte. Grund dafür ist sicher das dichte öffentliche Versorgungsnetz, aber auch das Angebot der Jahreskarte um 365 Euro im Jahr.

    Fußgänger beleben die Straßen

    Das Auto ist aber nach wie vor sehr stark im Kopf verankert, das zeigt nicht zuletzt die emotionale Debatte rund um die neue Fußgängerzone in der Wiener Mariahilfer Straße. Letztlich muss aber vor allem eine schnell wachsende Stadt wie Wien darauf achten, mit dem zunehmenden Verkehr fertig zu werden. Deshalb wurde im Jahr 2015 in Wien sogar das Jahr des Zufußgehens ausgerufen. Viele Fußgänger bedeuten auch eine Belebung der betroffenen Stadtgebiete. Die Geschäfte machen mehr Umsatz, das urbane Leben ersetzt die reinen Wohnsiedlungen.

    Hermann Knoflacher: „Es wäre immer noch sinnvoll, alle Innenbezirke möglichst autofrei zu machen. Denn Letztlich wird aber die Verkehrswelt einfach bunter, die meisten Menschen sind heute multimodal, also mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Zwar setzen immer noch 80 Prozent der Bevölkerung Österreichs zumindest ab und zu auf das Auto, zwei Drittel fahren aber auch Rad und sechs von zehn ­Personen nutzen den öffentlichen Verkehr.

    Junge Menschen sind flexibler

    Vor allem junge Menschen sind in ihrer Verkehrsmittelwahl sehr flexibel, mehr als die Hälfte der bis 30-Jährigen kann sich gemeinsames Nutzen statt einzeln Besitzen vorstellen. Car-Sharing-Modelle sind vor allem in Wien ein Thema, wirkliches Auto-Teilen wird eher in ländlichen Gebieten angenommen. Abseits der Großstadt gilt es aber das Mobilitätsangebot deutlich auszuweiten, um die Wahlfreiheit in der Mobilität auch hier zu erhöhen oder überhaupt zu ermöglichen.

    Hermann Knoflacher: „Es wäre immer noch sinnvoll, alle Innenbezirke möglichst autofrei zu machen. Denn eine gewachsene Struktur war schon ohne Auto da. In dem Augenblick, in dem das Auto wegkommt, fängt das Gebiet wieder zu leben an. So verschwinden die Garageneinfahrten und es gibt dort wieder Geschäfte. Diese Erfahrung habe ich in vielen Städten gemacht.“

    Verbannen ist keine Lösung

    Differenzierter sieht das die Soziologin Mag. Gabriele Gerhardter, Leiterin der Stabstelle „Innovation & Mobilität“ im ÖAMTC: „Das reine Verbannen der Autos aus der Stadt ist sicher keine Lösung. Denn eine Lösung ist immer positiv. Ein Ziel kann das also nicht sein! Es geht vielmehr darum, alle Angebote sinnvoll zu verschränken, um mehr Mobilität für alle Menschen zu ermöglichen.“

    Unser Leben wird daher auch in den nächsten Jahren von einer stetigen Zunahme an Mobilität gekennzeichnet sein – aber in den unterschiedlichsten Formen, Arten, Möglichkeiten und mit allen erdenklichen Antriebsmodellen. Gabriele Gerhardter: „Im Individualverkehr wird der Game-Changer das autonome Auto sein: Die Transformation des Autos vom individuellen Fortbewegungsmittel zur multifunktionalen und multimedialen Einheit der unbegrenzten Möglichkeiten zeichnet sich ab: Es wird das Taxi-, den Miet- und vielleicht auch den Dienstwagen ersetzen und die kleinräumige Verkehrsversorgung am Land sicherstellen – die gemeinsame Nutzung mit eingeschlossen.“

    Der öffentliche Verkehr wird in den Städten ein gut funktionierender Mix sein – von größeren bis zu kleineren Einheiten, die den Menschen nicht unbedingt individuell gehören müssen, aber können.“

    Megatrend Mobilität

    Zukunftsforscher Mathias Horx spricht sogar vom Megatrend Mobilität: „Kaum etwas prägt das Leben in der globalisierten Gesellschaft so sehr wie Mobilität. Ihr kommt ein unentbehrlicher Ermöglichungscharakter zu. Mobilität bedeutet Beweglichkeit, Veränderung und Wandlungsfähigkeit, individuell wie gesellschaftlich.“ Die Welt im 21. Jahrhundert sieht auch er vor allem durch eine zunehmende Vielfalt an Mobilitätsformen gekennzeichnet. Das macht alle Waren und Dienstleistungen rund um Mobilität zu einem der größten Wachstumsmärkte der Zukunft.

    Weitere Infos:
    www.zukunftsinstitut.de
    www.ivv.tuwien.ac.at
    www.wienerlinien.at
    www.oeamtc.at
    www.querspur.at
    www.vcoe.at

    Magazin Zoë 03/15

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      1. Interview Knoflacher

    Das Auto ist nicht nachhaltig und auch absolut ungerecht gegenüber der optimalen Mobilität – nämlich aus eigener Körperkraft. Zudem ist es absolut umweltschädigend, platzvergeudend, stadtzerstörend und auch arbeitsplatzvernichtend. Prof. DI Dr. techn. Hermann Knoflacher, TU Wien, ist seit Jahrzehnten Verkehrsplaner und Experte, spricht im Interview klare Worte zum Thema Auto, Verkehr und Mobilität.

      2. Interview Gerhardter

    Die Soziologin Mag. Gabriele Gerhardter leitet die Stabsstelle Innovation & Mobilität im ÖAMTC, ist begeisterte Öffi-Fahrerin, greift aber gelegentlich auch auf das Auto zurück. Im Zoë-Beiträge spricht sie über derzeitige Trends rund um Autos, Öffis und Verkehr, erörter alternativen Konzepte für Stadt und Land und spekuliert über den Wandel der Mobilität in naher Zukunft. Eine reine Verbannung der Autos aus der Stadt ist für sie keine Lösung, es geht vielmehr darum, alle Angebote zu verschränken. Denn der Wandel wird durch das Angebot erzeugt.

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